Worte von den Profis – Frédéric Brigand, Inhaber von Visit Europe

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Frédéric Brigand hat die organisierte Tourismusbranche durch Krisen, technologische Umbrüche und sich wandelnde Erwartungen der Reisenden begleitet.
Er teilt seine Vision einer Branche im Aufschwung und präsentiert den Fahrplan eines traditionsreichen Reiseveranstalters für 2026, der nach Ausgewogenheit und Sinnhaftigkeit strebt. Dabei legt er Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Verantwortung, Innovation und menschlicher Verbundenheit.

Abbildung illustrativ © infostourisme.com - Der organisierte Tourismus in Europa erfindet sich neu: menschengerechte Rundreisen, verantwortungsvolle Reiserouten und die Wiederentdeckung der Authentizität des Reisens.
Abbildung © infostourisme.com – Der organisierte Tourismus in Europa erfindet sich neu: Rundreisen im menschlichen Maßstab, verantwortungsvolle Reiserouten und die Wiederentdeckung der Authentizität des Reisens.

Von klassischen Pauschalreisen bis hin zu persönlichen Erlebnissen

InfosTourisme.com: Wie beurteilen Sie nach mehr als 30 Jahren Erfahrung bei Visit Europe die Entwicklung des Marktes für Touren und organisierte Reisen in Europa?

Frédéric Brigand:
In meinen Anfängen erfüllte organisiertes Reisen vor allem das Bedürfnis nach sicherer und strukturierter Erkundung. Heute haben sich die Erwartungen gewandelt. Reisende wünschen sich authentischere, menschlichere Erlebnisse und möchten ihren Reisen einen Sinn geben, ohne dabei auf die Expertise und Zuverlässigkeit eines Profis verzichten zu müssen.

Herausforderungen und Chancen für organisiertes Reisen im Jahr 2026

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen und Chancen für Reiseveranstalter im Jahr 2026?

Frédéric Brigand:
Die erste Herausforderung besteht darin, sich an die neuen Erwartungen der Reisenden anzupassen. Sie sind besser informiert und anspruchsvoller. Sie suchen nach authentischen, persönlichen Erlebnissen, ohne dabei Kompromisse bei Qualität und Sicherheit einzugehen. Das erfordert von uns mehr Kreativität und Präzision bei der Reiseplanung.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die „Verantwortung“ anstelle der „Nachhaltigkeit“. Es geht hier nicht mehr nur um eine Argumentation, sondern um eine echte Verpflichtung. Dazu gehört die Auswahl lokaler Partner und der Respekt vor den jeweiligen Regionen und Gemeinschaften. Für Reiseveranstalter bietet sich zudem die Chance, ihr Angebot zu überdenken und weniger bekannte Reiseziele, insbesondere in Europa, zu bewerben.

Digitale Werkzeuge stellen sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar. Sie sind unverzichtbar geworden, werden aber menschliches Fachwissen niemals ersetzen. Im Jahr 2026 wird der Mehrwert eines Reiseveranstalters mehr denn je von seiner Fähigkeit abhängen, Kunden zu unterstützen, zu beraten und ihnen Sicherheit zu geben.

Schließlich bietet es auch eine echte Chance, verantwortungsvolle Partnerschaften mit lokalen Akteuren zu stärken. Nur durch die enge Zusammenarbeit mit ihnen können wir stimmige, verantwortungsvolle und sinnvolle Reiseerlebnisse anbieten.

Für mich ist 2026 ein wichtiges Jahr. Es ist das Jahr unserer Wiedergeburt, aber vor allem lädt es uns ein, unserer Identität treu zu bleiben und uns gleichzeitig agil an einen sich ständig verändernden Markt anzupassen.

Marie-Laure Briche: Produkt- und Community-Managerin © Visit Europe
Marie-Laure Briche: Produkt- und Community-Managerin © Visit Europe

Lokalere, intensivere, verantwortungsvollere Touren

Europäische Kunden scheinen verstärkt nach lokalen und intensiveren Erlebnissen zu suchen. Wie passt sich Visit Europe diesen neuen Erwartungen an?

Frédéric Brigand:
Diese Entwicklung entspricht voll und ganz der Vision, die wir bei Visit Europe seit Jahren verfolgen. Wir sind überzeugt, dass Reisen erst dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn sie ein authentisches Eintauchen in die jeweiligen Gebiete ermöglichen und uns so nah wie möglich an die lokalen Kulturen und Bevölkerungsgruppen heranführen.

Visit Europe 2026 möchte sich anpassen, indem es persönlichere Reiserouten gestaltet, kleinere Gruppen, ein ausgewogeneres Tempo und intensive Erkundungen anstelle der bloßen Anhäufung von Sehenswürdigkeiten bevorzugt. Wir legen besonderen Wert auf die Auswahl unserer lokalen Partner, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten möchten, um Authentizität, Qualität und Kontinuität zu gewährleisten.

Wir möchten, wo immer es angebracht ist, abseits der üblichen Touristenpfade wandeln und weniger bekannte, aber ebenso reizvolle Regionen in den Fokus rücken, um so zu einem ausgewogeneren und verantwortungsvolleren Tourismus beizutragen. Für 2026 sind außerdem verschiedene Reiserouten mit Zug, E-Bike und zu Fuß geplant. Dazu gehören Zugreisen durch Schottland mit Übernachtungen in Städten und Ausflugsvorschlägen sowie mehrere Radtouren auf Korsika, die eine alternative Möglichkeit bieten, diese wunderschöne Insel zu entdecken – ob mit dem Zug oder auf einer Wanderung.

Wir möchten in den kommenden Jahren auch Erlebnisse entwickeln, die Begegnungen fördern: geführte Touren mit lokalen Guides, kulinarische Entdeckungen vor Ort, charmante Unterkünfte und Aktivitäten, die in den Alltag der jeweiligen Destinationen eingebettet sind. Es sind oft diese Momente, an die sich Reisende am liebsten erinnern.

Trotz der Weiterentwicklung von Tools und Buchungsmethoden sind wir nach wie vor überzeugt, dass wir unseren Kunden etwas Besonderes bieten und sie überraschen müssen. Jede Reise soll eine Geschichte erzählen und die Erwartungen der Reisenden erfüllen. Dieser menschliche und engagierte Ansatz leitet Visit Europe bei der Anpassung an diese neuen Erwartungen.

Verhaltensweisen nach der Krise: mehr Sinn, weniger Lautstärke

Die Erholung nach der Krise hat das Kaufverhalten grundlegend verändert. Welche anhaltenden Trends beobachten Sie? ?

Frédéric Brigand: Inhaber Visit Europe © Visit Europe

Frédéric Brigand:
Ich persönlich habe seit der Krise keine wesentlichen Veränderungen bei Buchungsmustern, Reisedauer oder Budget festgestellt. Der eigentliche Wandel liegt eher in den Erwartungen der Reisenden: Sie suchen nach bedeutungsvollen Reisen mit Zeit zum Erkunden und kleineren Gruppen.

Sie möchten verstehen, wie ihre Reise strukturiert ist und welchen Mehrwert sie bietet. Dieses Bedürfnis nach Transparenz steht im Mittelpunkt unseres Ansatzes: Deshalb sind fast alle unsere Programme für 2026 für mindestens zwei Personen garantiert, damit sich jeder Teilnehmer die Reise genau vorstellen kann.

Innovation ohne Kostensteigerung: das wirtschaftliche Gleichgewicht

Wie gelingt es, Produktinnovation und Kostenkontrolle in einem nach wie vor unsicheren wirtschaftlichen Umfeld in Einklang zu bringen?

Frédéric Brigand:
In einem weiterhin unsicheren wirtschaftlichen Umfeld ist die Vereinbarkeit von Produktinnovation und Kostenkontrolle ein Balanceakt. Bei Visit Europe legen wir Wert auf Innovationen, die Reisenden echten Mehrwert bieten, anstatt auf Neuheiten um der Neuheit willen.

Konkret möchten wir das Kundenerlebnis durch intensivere Reiserouten, mehr Zeit zum Erkunden, kleinere Gruppen und neu gestaltete Serviceleistungen bereichern. Bei unseren Zug- und Radreisen bedeutet dies die Möglichkeit, neue Perspektiven und Orte zu entdecken, die seltener besucht werden, da sie mit dem Bus schwerer erreichbar sind. Wir arbeiten zudem eng mit unseren lokalen Partnern zusammen.

Der Neustart des Reiseveranstalters ermöglicht es uns außerdem, die Kosten hinsichtlich der Mitarbeiterzahl zu senken und durch die Unterstützung einer Tourismusgenossenschaft weitere Kosten zu bündeln.

Dies ermöglicht Innovationen bei geringeren Kosten und somit verantwortungsvolleres Reisen (was oft mit geringen Gewinnspannen einhergeht). 

Das Ziel ist einfach: ein Erlebnis zu bieten, das für den Kunden Sinn macht, und gleichzeitig die Verantwortung für die besuchten Länder oder Regionen zu wahren.

Partnerschaften – der Schlüssel zu Beständigkeit und Qualität

Welche Rolle spielen Partnerschaften (Fluggesellschaften, Tourismusbüros, Destinationsmanagementgesellschaften) heute in Ihrer Entwicklungsstrategie?

Cristina Pierotti: Produktmanagerin und Backoffice-Technikerin © Visit Europe © Visit Europe

Frédéric Brigand:
Unsere Partnerschaften konzentrieren sich heute hauptsächlich auf die Beziehungen zu lokalen Reiseveranstaltern. Wir suchen nicht nur Dienstleister, sondern echte Partner, um gemeinsam qualitativ hochwertige Reisen zu gestalten.

Diese Kooperationen ermöglichen es uns, die Zuverlässigkeit unserer Programme zu verbessern und gleichzeitig die Bedürfnisse der Reisenden genau zu berücksichtigen. Sie stärken zudem unsere Fähigkeit, authentische Reiserouten anzubieten und individuelle Betreuung zu gewährleisten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Partner unerlässlich sind, um Qualität, Flexibilität und Mehrwert zu vereinen und unsere Position auf Rennstrecken mit starker Identität und kleinen Gruppen, wie wir sie für 2026 bevorzugen, zu festigen.

Verantwortung steht im Mittelpunkt des Modells

Nachhaltigkeit ist heute ein zentrales Thema. Wie integrieren Sie sie konkret in die Entwicklung und Vermarktung Ihrer Schaltungen?

Frédéric Brigand:
Nachhaltigkeit, oder genauer gesagt Verantwortung, ist heute vollständig in die Entwicklung und Vermarktung unserer Schaltungen integriert. Für uns sind das nicht nur leere Worte, sondern konkrete Entscheidungen.

Wir legen Wert auf Reiserouten, die genügend Zeit für Erkundungen lassen, unnötige Fahrten vermeiden und kleine Gruppen fördern. Dies trägt dazu bei, unsere Umweltauswirkungen zu reduzieren, den Reisekomfort zu erhöhen und die Beziehungen zu den lokalen Gemeinschaften zu stärken.

Wir arbeiten mit engagierten Reiseveranstaltern und Dienstleistern zusammen, die in der Lage sind, authentische Erlebnisse anzubieten, die die lokalen Gegebenheiten respektieren. 

Wir bieten aber auch „Reisen des Lebens“ an. Reisen, von denen Kunden träumen, sie einmal im Leben zu unternehmen, wobei wir versuchen, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, selbst wenn die Reise am anderen Ende der Welt stattfindet

B2B-Medien und -Daten: Entscheidungshilfen

Bei InfosTourisme.com stellen wir dieses Jahr mehrere praktische Tools vor (interaktive Berichte, Benchmarks, Branchenseiten), um Fachleuten ein besseres Verständnis der Marktdynamik zu ermöglichen. Wie beurteilen Sie diesen Wandel hin zu analytischeren und datengetriebenen B2B-Medien?

Frédéric Brigand:
Ich denke, dass analytischere und datenorientiertere B2B-Medien ein echtes Bedürfnis in der Branche erfüllen können: die zugrunde liegenden Trends besser zu verstehen und über eine rein kurzfristige Perspektive hinauszugehen, die von aktuellen Ereignissen diktiert wird.

Daten ermöglichen es uns, einen Schritt zurückzutreten, vorauszusehen und strategisches Denken zu fundieren, vorausgesetzt, sie werden richtig kontextualisiert. Der Wert eines B2B-Medienportals liegt darin, Daten in klare, nützliche und leicht verständliche Analysen für Fachleute umzuwandeln.

Ich glaube jedoch, dass Daten die praktische Erfahrung nicht ersetzen können. Sie gewinnen erst in Kombination mit dem Fachwissen von Experten an Bedeutung. Medien, die Zahlen, Analysen und Feedback miteinander verknüpfen können, werden meiner Meinung nach eine Schlüsselrolle dabei spielen, Entscheidungsträger im Tourismus bei ihren Entscheidungen zu unterstützen.

Drei Prioritäten für 2026

Wenn Sie die Roadmap von Visit Europe für 2026 in drei Prioritäten zusammenfassen müssten, welche wären das?

Frédéric Brigand:

Der Fahrplan „Visit Europe 2026“ ist Teil einer echten Dynamik der Wiederbelebung des Reiseveranstalters, die sich um drei Hauptprioritäten dreht.

Das erste Ziel ist Ausgewogenheit und wirtschaftliche Stabilität. Wir bauen das Unternehmen auf neuen Grundlagen wieder auf, mit klaren Produktionsplänen und Verpflichtungen, um nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten.

Die zweite Priorität ist Markenbekanntheit und Wiedererkennung. Ziel ist es, als unverwechselbarer Reiseveranstalter bekannt und anerkannt zu werden, der durch die Qualität seiner Reisen, seine Liebe zum Detail und seinen verantwortungsvolleren Umgang mit dem Reisen überrascht.

Die dritte Priorität ist schließlich ein kontrolliertes Wachstum, insbesondere durch den Erwerb und die Stärkung wichtiger Partnerschaften. Dies bedeutet, das Geschäft ohne Eile weiterzuentwickeln und auf solide Partner zu setzen, die unsere Vision und Qualitätsstandards teilen.

Foto von Fabesh: https://www.pexels.com/photo/glenfinnan-viaduct-in-summer-16646167/

„Ein anderes Reiseerlebnis bieten, ohne dabei auf Emotionen zu verzichten“

Und schließlich, nach all den Jahren in der Branche: Was fasziniert Sie nach wie vor am meisten am organisierten Tourismus und Reisen in Europa?

Frédéric Brigand:
Was mich nach all den Jahren an dem organisierten Tourismus und Reisen in Europa immer noch fasziniert, ist die Fähigkeit dieses Berufsstandes, sich immer wieder neu zu erfinden.

Für Visit Europe bedeutet diese Renaissance, sich neu zu erfinden und dabei zutiefst menschlich zu bleiben. Reisen zu gestalten bedeutet vor allem, Geschichten zu erzählen, Begegnungen zu schaffen und dem Reisen und seinen Entdeckungen Sinn zu verleihen.

Europa bietet einen außergewöhnlichen kulturellen, historischen und menschlichen Reichtum, oft nur wenige Stunden mit Zug oder Flugzeug entfernt. Organisierter Tourismus ermöglicht es uns, diese Vielfalt anzubieten, öffnet Türen, erleichtert den Zugang zu teils unbekannten Regionen und bietet Erlebnisse, die man allein nicht hätte (wobei individuelles Reisen in kleinen, festen Gruppen weiterhin möglich ist). Auch das Reisen allein ist weiterhin möglich.

Es ist auch eine Gelegenheit, die Türen zu anderen Horizonten zu öffnen, indem wir durch unsere Visit Orient-Produktion weiter entfernte Reiseziele entdecken, wobei wir den gleichen Anspruch an Sinnhaftigkeit, Qualität und Unterstützung erfüllen.

Was mich immer wieder antreibt, ist die Rolle des Profis: zu führen, zu erklären, Sicherheit zu vermitteln und zu überraschen. In einer Welt, in der scheinbar alles online verfügbar ist, bin ich nach wie vor überzeugt, dass Fachwissen, menschlicher Kontakt und Liebe zum Detail den entscheidenden Unterschied machen. Und ich habe den starken Wunsch, Reisenden ein anderes Erlebnis zu bieten. Sie zu überraschen und ihnen etwas Besonderes zu bieten. 

Abschließend hoffe ich, dass Visit Europe eine wichtige Rolle beim Übergang zu einem verantwortungsvolleren Tourismus spielen wird. Dies erfordert konkrete Entscheidungen bei der Gestaltung unserer Reisen: ausgewogenere Reiserouten, kleinere Gruppen, ausreichend Zeit, um die Regionen kennenzulernen, und nachhaltige Partnerschaften mit lokalen Akteuren.

Unsere Verantwortung umfasst auch Aufklärung: Wir müssen unsere Entscheidungen erläutern, Transparenz bei der Reiseplanung gewährleisten und Reisende dabei unterstützen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Der Tourismus der Zukunft muss bewusster, transparenter und respektvoller sein, ohne dabei auf Emotionen oder Entdeckungen zu verzichten.


https://infostourisme.com/perspectives-2026
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Mehdi Ramzi
Mehdi Ramzihttps://infostourisme.com
Mehdi Ramzi ist ein passionierter Reise- und Technologieexperte mit über zehn Jahren Erfahrung im digitalen Marketing. Nach Beratungstätigkeiten für zahlreiche Akteure der Tourismusbranche war er als Digital Marketing Manager bei TourMaG tätig, wo er SEO, Monetarisierung, Plattform-Relaunch und die Integration von KI-Tools verantwortete. Als Gründer von MonMarketingDigital.fr beschloss er 2025, InfosTourisme.com zu gründen – die Medienplattform der nächsten Generation für Tourismusfachleute in Frankreich, die Nachrichten, Daten und praktische Tools vereint.
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